bekannte bauen häuser

zur bunten republik war auch ich unterwegs in der neustadt. punk, ballermann und thüringer rostbratwurst an jeder ecke, doch gab es auch diese kleine heile weltnummer zwischen sebnitzer und kamenzer straße, eine oase der vernunft, kaffeklatsch und trödel. hier trafen wir vor einem grünen haus auf einen klapptisch mit sonnenschirm, hinter dem sich freunde und ferne bekannte verschanzt hatten. auf diesem tisch verbargen sich unter plastikabdeckhauben selbstgebackene schokoküchelchen und tofubällchen. Dort stand ein kaffespender, hier die becher, die mit prosecco gefüllt waren. eine mutterhand schaufelte kuchenkrümel in sich hinein. wir verteilten küsse und drückten hände, setzten uns dazu und ich beobachtete wie menschen, die in meinem alter zu sein schienen sich gegenseitig versorgten, sogar eierkuchen backten und apfelmus darin einwickelten. meine unsicherheit legte sich wie ein lauwarmer wadenwickel um meine brust und zur unterstützung nahm ich meine arme dazu. ich hatte keine ahnung was man in solchen situationen sagt oder tut so schien mir smalltalk angebracht: die eierkuchen duften aber lecker ist der teig selbst gemacht oder macht ihr das jedes Jahr mit dem stand eine schöne idee.

dann endlich gab es ein blondes mädchen das mich mit handpuppen attakierte und ein ich das die böse großmutter spielte.

die mutter die eierkuchen backt riss mich aus der neuen rolle, kommt wir zeigen euch unser haus. wir traten ein, hinter einer unscheinbaren Fassade entpuppte es sich. ein kleiner palast aus holzparkett, geweißten wänden und freigelegter mauer. mit ganz viel freiraum und schöner küche und praktischem gasherd und einbauten die gekonnt abluftschächte ummanteln und da wo das bad ist war mal ein zimmer und da wo die küche war ist nun ein schlafzimmer und ingesamt augenscheinlich eine architektonische meisterleistung.

und wir stellten fragen; wie habt ihr das mit den wänden gemacht, weil wir auch gerade was mit wänden machten, habt ihr das alles selbst gemacht, ach was, ein seufzen, das haben alles andere für uns gemacht, das wäre noch schöner, wir arbeiten doch viel, hart und lang, euch geht es doch sicher auch so. und ich dachte daran dass ich eigentlich nur einen teil der vollzeit arbeite und das weder hart noch lang und dass wir seit wochen rauhfaser von unseren wänden zerren ohne plan was dann.

aus dem mund dieser frau viele worte und aus den poren tropfte begeisterung. und mein kopf wattierte sich und irgendwo drinnen meldete sich die zentrale und steuerte etwas scham und angst durch meine kanäle. in meinen karten kein haus und kein auto nur ein gefühl von klein.

irgendwann ging ich nach hause weil mir kalt war. daheim hinter unseren wänden stille und in einem winkel ein lächeln.

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