Tapetenstaub

Er sieht mich nicht. Er ist ein Spachtelarm. Schürft unsere Wände frei, damit sie atmen können. Nach all den Jahren, in denen Mieter um Mieter Schicht um Schicht draufgelebt haben.

Ich stehe oben. Auf einer achtstufigen Leiter bin ich dreimeter hoch. Meine hautfarbenen Arme sind überzogen mit winzigen Nieseltropfen weißer Farbe. Vor mir die rohe Mauer. Sie riecht nach feuchter Erde. Wachsen bald Blumen darin wo wir sie freilegen? Sie hat Poren wie meine Haut und rissige Stellen. Mandelfarbene Flecken haben andere hinein gespachtelt. Die Mauer gestopft, damit sie dicht hält.

Meine Fingerspitzen zupfen Tapete von der Decke. Ein Stück halten sie mir vor die Nase: Farbe, Papier und fasrige Holzfasern ein künstliches Holzfasernetz. Ich lasse es auf den Boden segeln, Vergangenes von mir abfallen.

Drüben er, Meter um Meter schürft er seine Bahnen. Und ich, streichle Wände, horche, atme hinein, beobachte die unbeweglichen Adern im Mauerwerk.

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