Freunden helfen

Wir stehen um 9 Uhr morgens bei minus zehn Grad mitten in Neukölln. Es stinkt nach Hundekacke, trotz Eiseskälte, und der Umzugswagen von Robben und Wientjes ist winzig. Wir klettern auf die Ladefläche und versuchen die Abdeck-Plane so einzurollen und zu vertäuen, dass sie uns nicht jedes Mal ins Gesicht klatscht. Es dauert ewig. Weil keiner versteht, was sich die Entwickler der Abdeck-Plane bei der Entwicklung der Abdeck-Plane gedacht haben. An den Winter haben sie nicht gedacht. Ich spüre meine Hände nicht mehr. Ich verspüre Wut. Einer macht einen Witz, um die Stimmung zu drehen. Wir lachen erleichtert. Wir erinnern uns: ein Umzug ist eine Gemeinschaftsaktion und kann Spaß machen. Unsere Gemeinschaft tappt in die Wohnung.

Hier ist eigentlich alles wie immer, bis auf ein paar vereinzelte, gepackte Pappkisten und viel Zigarettenrauch in den Räumen. Unsere Freunde sagen: Bis gestern 16 Uhr haben wir keinen Finger gerührt. Ich sage: Wow. Und atme tief in mich hinein, halte die Luft an und betrachte in dieser Stellung das Chaos. Ich versuche, nicht Teil davon zu werden. Blase die Luft aus, denke daran, dass es wahrlich schlimmeres gibt, als einen chaotischen Umzug. Zum Beispiel in einem dunklen Loch – wie in dieser Wohnung – zu versacken.

Wir packen gemeinsam an, füllen in wenigen Stunden den Umzugswagen zweimal und verfrachten das alte Leben in die neue Wohnung, die genau das Gegenteil von dunklem Loch ist – hell, hoch oben, eine Insel der Erholung mit Sonnenterrasse mitten in Neukölln.

 

 

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