Unausgesprochenes

Irgendwie ist mir das Schreiben abhanden gekommen. Fast unbemerkt ist es auf der Strecke geblieben. Ich bin weitergegangen, habe Eindrücke und Augenblicke gesammelt und sie in meinem Kopf konserviert. Jetzt stehe ich am Gleis und kann nicht weiter. Der Kopf ist so schwer. Wie gern möchte ich ihn ausschütten, das Konservierte in den Boden sickern lassen. Leicht werden. Gleise überqueren.

Ich stehe da und schaue zurück.

Schreiben war doch immer ein Ventil für mich. Sobald die Gedanken auf Papier gebannt waren, blieben sie auch dort haften. Wie leicht fühlte ich mich dann, wie frei.

Schreiben war noch mehr. Die Möglichkeit, mich mit der Realität zu verbinden.  Wenn ich ihr mal wieder voraus war, mal 30 Minuten, mal 3 Monate voraus. Wenn ich versuchte, Weichen zu legen für die Zukunft, nicht mehr wusste, welche ich eigentlich nehmen sollte, half mir das Schreiben zu meinem Ausgangspunkt zurückzufinden und dann mit klarem Bewusstsein Entscheidungen zu treffen.

Schreiben war noch mehr, Selbstreflektion. Wenn ich mal wieder pausenlos aufs Handy sah, Emails abrief, den Postkasten immer wieder öffnete, mich nach einer Nachricht sehnte, die mir sagen würde, was ich tun soll. Dann half mir das Schreiben mein Verhalten zu hinterfragen, mich wieder an meine Absichten zu erinnern, zu handeln. Nicht abzuwarten.

Ich stehe am Gleis und möchte weiter. Die letzten Wochen, Monate, die unausgesprochenen Gedanken sind in mir festgewachsen, halten mich fest.

Wie konnte es dazu kommen? Ich bin nicht sicher.
Vielleicht sank das Vertrauen in meine Stimme, verlor ich den Glauben, dass Schreiben etwas Gutes bringt. Beschämte es mich fast, meine Gedanken auf Papier bringen zu wollen, was bildete ich mir denn ein?

Vielleicht waren es auch die vielen wunderbaren Texte, die ich in den letzten Monaten in den Blogs von Euch lesen durfte. Die Vergleiche, die man unbewusst zum eigenen Schreiben zieht, die Zweifel, die sich am Unterschied nähren, festbeißen und dir einflüstern: das was du machst, ist nicht gut genug.

Warum hört man nur auf diese Flüsterstimmen? Lässt zu, dass sie sich Stück für Stück der eigenen Stimme bemächtigen, sie zurechtstutzen, im Zaum halten?

Ich weiß es nicht genau….

Ich weiß, ich möchte wieder leicht werden. Das Konservierte auftauen, loslassen, fließen lassen in den Boden auf dem ich stehe. Dann weitergehen.

Getaggt mit , , , , , , , ,

5 Gedanken zu „Unausgesprochenes

  1. Sherry sagt:

    Oh, wie gut ich dich nachvollziehe. Wenn man zu lange geschwiegen hat und Gedanken geordnet, angeblich abrufbereit, jederzeit, für’s Schreiben, dann kann es sein, dass man allein beim Gedanken, sie aufschreiben zu wollen, durch ihre Ineinanderverschachtelungen kapituliert. Mir geht es oft so. Und der Punkt mit den Vergleichen … Da brauche ich dir ja nichts mehr zu sagen, du hast meinen letzten Beitrag ja gelesen.

    Den ersten Schritt hast du getan. Einen kleinen Knoten platzen lassen. Komm‘ wieder raus, liebe Pillangó. Wir wollen dich lesen.

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    • pillangoblog sagt:

      Auch wenn ich diese Gedanken schon länger mit mir herumtrage, denke ich, das die Veröffentlichung dieses Artikel u.a. auch von deinem letzten Beitrag motiviert war, liebe Sherry. Ich finde es schön, das wir in der „Blogosphäre“ auch zweifelnde Gedanken teilen können und auch darauf Reaktionen kommen. Irgendwie ist da auch immer die Angst, im luftleeren Raum zu schweben, mit seinen Zweifeln allein zu sein.
      Ich sehne mich nach noch mehr Authentizität, was wohl auf der einen Seite Abgrenzung bedeutet, auf der anderen wohl die eigenen Ängste loslassen zu können, sich selbst und aber auch den anderen Bloggern Vertrauen zu schenken.
      Danke dir sehr für deine schönen Worte, liebe Sherry

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  2. Sofasophia sagt:

    ich weiss nicht, was ich sagen soll. schreib weiter? ja, aber schreibe in erster linie um deinetwillen. mir gehts grad ähnlich. ich stehe auch neben meiner schreibe und bin mit mir im hader. nein, falsch. ich versuche, mich aus mir selbst herauszulocken.
    schreiben, um des schreibens willen – das will ich wiederfinden. in der blogospähre sind wir so transparent, so im dauernden vergleich und austausch, dass zuweilen das innendrinhören und -spüren auf der strecke bleibt. bei mir jedenfalls. eine art übersättigung vielleicht.
    um deinetwillen: schreib weiter. ob nun öffentlich oder nicht. aber du hast was zu sagen. dir. und auch uns, wenn du das von herzen willst.
    ich jedenfalls, ich lese dich gerne.

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    • pillangoblog sagt:

      Liebe Soso, irgendwie scheinen wir gerade ähnliche Gedanken zu hegen, so habe ich auch auf deinem Blog gelesen und war zunächst sehr überrascht, dass du deine Kommentarfunktion ausgeschaltet hattest. Nun kann ich das aber sehr gut nachvollziehen, sich quasi erstmal wieder auf seine eigene Schreibgedanken zu konzentrieren ohne sich den darauf folgenden Gedanken von „außen“ zu stellen. Was auch immer gleichbedeutend ist mit dem Versuch, den anderen Standpunkt zu verstehen, seinen wiederum zu reflektieren etc. Für eine Weile seine Sinne zurückziehen, „Innendrinhören und -spüren“, sich selbst wieder fassen können um dann vielleicht irgendwann wieder gestärkt dem außen begegnen zu können. Ich danke dir für deine einfühlsamen und bestärkenden Worte.

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