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Minn Blue und ihre Gedanken

Meine Füße. Blass und plattgedrückt auf den leblosen Fliesen. Selbst das Rot auf den Nägeln macht sich davon. Abgebissen, abgelutscht. Die Erotik meiner Füße habe ich nie verstanden. Janós machen sie verrückt. Er lutscht an ihnen, jede einzelne Zehe nimmt er in den heißen Mund, seine Augen geschlossen, seine Zunge wund.

Meine Füße, blass wie tote Fische treiben sie auf dem Fliesenmeer. Langsam kriecht Kälte in meine Sohlen, windet sich hinauf, die Waden, Schenkel, mein Steißbein, Wirbel, für Wirbel. Im Nacken krallt sie mich, jagt leise Schauer über meinen Rücken. Ich fühle mich nackt, unbeobachtet, lausche dem Rauschen meines Urins, spüre das vetraute Brennen, im Bad bin ich nah bei mir.

Tak. Tak….Tak. Tak…Der Wasserhahn tropft. Auf dem Waschbecken in einem Cocktailglas gammeln die Zahnbürsten in unserer Spucke. Tak. Tak. Tak. Doch, Janós, die Dinge sind unvollkommen. Sieh doch die Haare, meine Haare überall. Dunkle, dürre Fäden, die sich entlang der Kachelfugen schlängeln. Im ganzen Bad haben sie sich ausgebreitet, bis in die hinteren Ecke unter dem Waschbecken. Warum bleiben sie nicht an mir haften? Manchmal glaube ich, es ist nur eine Frage der Zeit und alles löst sich von mir.

Janós sagt, wir haben doch uns. Er flüstert es mir ins Ohr und ich zwinge mich zu einem leisen Lächeln, ich möchte ihn anschreien, das reicht nicht, Janós, dieses uns, es reicht nicht, wenn es mich nicht zusammenhält. Es sind Welten, die sich in mir abspielen, und er sieht nur eine Oberfläche, die das Bild, das er von mir malt, zu ihm zurückwirft.

Ich bin krank und er bringt mir Tee ans Bett, eine Wärmeflasche, ein liebendes Gesicht, baut mir einen Kokon, in den ich mich einwickeln kann. Er geht ins Nebenzimmer. Und ich liege unter Decken. 


***Ein Textauszug der vielen Auszüge aus angefangenen Manuskripten. Alle Jahre wieder taucht Minn Blue auch in meinen Gedanken auf.

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Nachtwache

Wie so viele Nächte in der letzten Zeit durchwacht, durchdacht, durchträumt. Die Zukunftsverästelungen hundertfach verfolgt bis ins kleinste Blatt. Fallende Blätter, blühende Knospen unter Rinde verborgen. Die lederne Couch, schwarz, und wie der Körper darin versinkt. Nächtliche Stürme, Stadt, Stille. Eine Plane schlägt an Fensterscheiben. Surrende Schreibtischlampe. Und wie das Licht so einsam. Im Nebenraum die schlafende Liebe, so warm der Körper, einwickeln darin versinken, noch nicht. Noch ein bisschen durchwachen, durchmachen, durchschneiden die schwarzgepolsterte Nacht. Die Haut weiß und matt, die Poren glatt. Worte auf die Lippen gestickt. Entwirrung und Verästelung. Der Baum steht still und wächst ins Unendliche.

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Stadtmitte

zurück tretende textilien

artige Schattierung

pinkes Polypropylen gepolstert

Gähnen aus dem offenen Fenster klettern

Pflanzgefäße

der Ein- und Ausstieg wartet im Druckbereich neben dir

fassen sich Paare an mit behandschuhten

Flächen

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Girlanden ranken sich um deine blinde Haut

Die Füße irgendwo in der Erde vergraben

die bunten Augen heimlich zugenäht

und alle Bühnen der Welt applaudieren der Frau

der Frau die auf Stelzen

steht

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