Schlagwort-Archive: Veränderung

Morning Coffee

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Raus aus den alten Mustern! An diesem Morgen lasse ich das Geschirr von gestern einfach stehen, schalte die Kaffeemaschine wieder aus und verlasse so schnell es geht das heimelige Heim. Nein, auch der Briefkasten kann warten, die Morgensonne nicht. Zehn Minuten später sitze ich auf weichem Gras, spüre das Licht auf meiner Haut. Beobachte perplex das bunte Treiben am frühen Morgen. Da gibt es Jogger, Radfahrer, Hundehalter, die Hunde dazu, Mütter, die Kinder dazu…und alle sind schon ziemlich lebendig unterwegs. Selbst Romantik gibt es schon am frühen Morgen in Berlin: eine Parkbank die zwei Liebende umarmt.

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Diving for Magic

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Etwas hat sich verändert. Und diesmal kommt die Veränderung nicht von außen….

Wie schon von Euch vermutet, war meine erzwungene, krankheitsbedingte 6-wöchige Auszeit „für etwas gut“. Als ich aufhörte, gegen das Krank-sein anzukämpfen (was schwerfällt, da einem das schlechte Gewissen im Nacken sitzt, wer möchte schon Woche für Woche Arbeitgeber und Freunde vertrösten, weil man immer noch nicht „fit“ ist, noch nicht funktioniert ?) und mir erlaubte, einfach nur in Ruhe zu gesund zu werden, kam mein ramponierter Körper endlich zur Ruhe und schaltete von Ausnahmezustand auf Heilung um. Auch meinen Geist zwang ich zur Ruhe. Ich hörte auf mit dem ständigen planen, organisieren, bloggen, netzwerken, denken und wieder denken, dem Suchen nach Lösungen. Ich schnitt Gedankenkreise durch und kappte meine Verbindungen zur Außenwelt.

Ich ging spazieren. Spürte die leisen Schritte auf dem Asphalt, sah Vögel unter Motorhauben hervorhüpfen und die Baumkronen in den wahnsinnig blauen Stadthimmel wachsen. Ich durchschritt Augenblicke. Lauschte, lächelte. So hatte ich schon lange nicht mehr wahrgenommen. Ich ließ mich von meiner Intuition durch die Straßen treiben. Ließ mich überraschen. Kam heim um am nächsten Tag bald wieder loszuziehen. Irgendwohin.

Irgendwann kam ich an. Bei mir. Ein Aha-Erlebnis. Ein „verdammt-wie-geil-ist-das-denn-du-bist-frei-du-kannst-dein-Leben-wirklich-selbst-bestimmen!“- Gefühl. Ein kitschiges Gefühl von innerem Leuchten, ein fast unanständiges Eso-Feeling. Und dann auf der Zunge die simple Essenz: „Life is magic, go for it!“

Etwas hat sich verändert. Und ich bin so aufgeregt dass ich gar nicht weiß, wo und wie ich anfangen soll. Es gilt ferne Länder zu bereisen, Sprachen zu lernen, Menschen zu treffen, zu heilen und zu wachsen. Die Magie der Augenblicke einzufangen, die auf dem Weg liegen. Wieder zu fliegen und wie Mika so wunderbar sagte „vom Nektar der schönen Blüten zu naschen“. Vielleicht fange ich ganz einfach an. Mit einem Schritt. Vielleicht ist dieser Blogeintrag der erste…;-)

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Sethu Bhandasana – Die Brücke

2012 – das Jahr der Veränderungen. Da ich mich bereits seit Jahren in einem weitreichenden Veränderungsprozess befinde, werde ich dieses Jahr nutzen um die Spuren, die dieser Prozess hinterlassen hat, ganz genau zu betrachten. Eine dieser Spuren ist die Erkenntnis, dass Yoga mir gut tut. Nach und nach setzen sich all diese versprengten Teile des Ich-Puzzles wieder zusammen. Da wachsen Wurzeln in mir selbst (ist das gesund?) und ich spüre wieder eine Verbindung zu der Welt da draußen. Mein Plan für 2012 und alle anderen Jahre die hoffentlich kommen: Viele Brücken schlagen, um vielleicht ein Baum zu werden.

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Tapetenstaub

Er sieht mich nicht. Er ist ein Spachtelarm. Schürft unsere Wände frei, damit sie atmen können. Nach all den Jahren, in denen Mieter um Mieter Schicht um Schicht draufgelebt haben.

Ich stehe oben. Auf einer achtstufigen Leiter bin ich dreimeter hoch. Meine hautfarbenen Arme sind überzogen mit winzigen Nieseltropfen weißer Farbe. Vor mir die rohe Mauer. Sie riecht nach feuchter Erde. Wachsen bald Blumen darin wo wir sie freilegen? Sie hat Poren wie meine Haut und rissige Stellen. Mandelfarbene Flecken haben andere hinein gespachtelt. Die Mauer gestopft, damit sie dicht hält.

Meine Fingerspitzen zupfen Tapete von der Decke. Ein Stück halten sie mir vor die Nase: Farbe, Papier und fasrige Holzfasern ein künstliches Holzfasernetz. Ich lasse es auf den Boden segeln, Vergangenes von mir abfallen.

Drüben er, Meter um Meter schürft er seine Bahnen. Und ich, streichle Wände, horche, atme hinein, beobachte die unbeweglichen Adern im Mauerwerk.

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Sind wir alle Esel?

Wahrscheinlich ist dein Problem Faulheit, sagte meine Kollegin. Aber keine Sorge, das geht allen so. Ach so? Dachte ich. Na dann. Dann ist das ja überhaupt kein Problem, wenn alle so sind, dann ist das ja überhaupt kein Problem!!! Faul. Ich. Faul? Ich glaubte es nicht. Ich glaubte es hackt. Beleidigt sah ich sie an. Ein Grinsen, ein sehr breites hatte sich auf ihr Gesicht gesetzt und ich wollte mich nicht ertappt fühlen, nein, ich hielt an mich, Frechheit.  Faul. Ich machte doch! Machte doch ständig, war immer beschäftigt, geschäftig, aß und schrieb und arbeitete an tausend Projekten gleichzeitig und lief und pflegte soziale Kontakte und tat was für die Beziehung. Selbst die Pflanzen zu Hause goss ich und ich stand früher auf als die andern und alles. Sie beugte sich über den Rechner und hackte auf der Tastatur herum und suchte wohl nach einem Beweis für meine Faulheit. Dann drehte sie mir das Display zu, hier, nichts für schwache Nerven, aber falls du doch mal was ändern möchtest, sagte sie und ich starrte auf ein Foto, das eine unsympathische Visage eines Mitt-Vierzigers zeigte und sie meinte noch, sieht doch ganz sympathisch aus oder. Dann drückte sie mir diesen Postit mit einem Namen auf und ich ging nach Hause.
Natürlich bestellte ich das Buch. 2 Tage später hielt ich es in den Händen, ein Buch, das den sympathischen Titel „Eselsweisheit – Der Schlüssel zum Durchblick oder wie Sie ihre Brille loswerden “ trug. Ich trug keine Brille. Doch die Worte meiner Kollegin hatten sich bereits in mir festgebissen und ich wollte das einfach nicht auf mir sitzen lassen, wollte wissen, was es mit meiner Faulheit auf sich hatte. Also las ich. Dieser Autor, Norbekov, (russischer Gelehrter, 3fach Doktor, Professor, Künstler und Was es nicht alles gibt) machte eigentlich nichts anderes, als mich in seinem Buch aufs Übelste zu beschimpfen und mir anhand von Beispielen zu demonstrieren, warum ich die Beleidigungen verdient hatte. In den schwärzesten Farben rieb er mir meine Bequemlichkeit unter die Nase. Dass diese der Hauptgrund ist, warum ich meine Ziele nicht erreiche – und warum viele Menschen chronisch krank werden. Weil wir alle in diesem Kasperletheater von Verhaltensregeln mitspielen, uns anpassen und den Arsch nicht bewegen, die die Dinge zu tun, die wir wirklich tun wollen. Weil wir uns selbst beschneiden und von unserem Schweinehund vom Leben abhalten lassen,  weil wir lieber konsumieren und dabei ein Gesicht ziehen als etwas völlig ab-Normes zu tun. Z.B. einfach mal im Bus zu sitzen und zu lachen – über die ganzen Miesepeter die da rumsitzen, sich anöden und auf den Tod warten.

Ich kann Norbekov nicht wirklich böse sein, denn ich weiß, er hat recht. Auch wenn ich sehr beschäftigt bin, heißt das noch lange nicht, dass ich meine Ziele verwirkliche. Fleiß ohne konkretes Ziel führt nirgendwo hin, dann noch mit einer diffusen Angst im Nacken. Na prima. Ich ertappe mich. Wie oft tue ich völlig sinnlose Dinge, die mich keinen Schritt weiterbringen. Der Weg des geringsten Widerstands. Möglichst viel bekommen mit möglichst wenig Einsatz.

Ich werde mich auch noch die restlichen 150 Seiten von Norbekov beschimpfen lassen. Weil ich aus dem Knick kommen will.Und weil ich einfach Bock auf Leben habe.

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